Kaum ein Infrastrukturprojekt bewegt eine Region so sehr wie eine neue Straße. In Murnau am Staffelsee ist das derzeit die geplante Umgehungsstraße der Bundesstraße 2 (B2). Befürworter hoffen auf Entlastung vom Verkehr, Kritiker sorgen sich um Natur, Landschaft und Lebensqualität und stellen die Sinnhaftigkeit in Frage. Zum geplanten Projekt hat sich im Blauen Land eine Bürgerinitiative (Heimat 2035) gebildet.
Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen zum Projekt – sachlich, verständlich und ohne parteipolitische Bewertung.
Geplant ist eine neue Ortsumgehung im Nordosten von Murnau. Sie soll den Durchgangsverkehr der Bundesstraße 2 (B2) aus dem Ortskern (insbesondere Weilheimer- und Reschstraße) herausführen bzw. herumzuführen. Ziel ist es, die stark belastete Ortsdurchfahrt zu entlasten und den Verkehrsfluss auf der überregionalen Achse zwischen Starnberg, Weilheim und Garmisch-Partenkirchen zu verbessern.
Die B2 verbindet das Münchner Umland und dem Werdenfelser Land. Durch Murnau fahren laut Projektunterlagen bis zu 17.000 Fahrzeuge pro Tag, darunter auch ein erheblicher Anteil an Lastverkehr.
An mehreren Kreuzungen und Einmündungen kommt es regelmäßig zu Staus, vor allem zu Pendlerzeiten und in der Urlaubssaison. Die geplante Umgehung soll diese Engpässe reduzieren.
Die wichtigsten Eckdaten:
Ein Teil der Strecke soll in Tieflage verlaufen. Abschnitte könnten unterirdisch gebaut werden, teilweise im Tunnel – unter anderem, um bestehende Bebauung zu unterqueren und die Eingriffe an der Oberfläche zu reduzieren.
Die geografische Situation rund um Murnau lässt nur wenig Spielraum:
Deshalb kommt laut Planung nur eine ortsnahe oder innerörtliche Umfahrung infrage. Die Trasse ist dadurch weitgehend vorgegeben, größere Variantenunterschiede sind kaum möglich.
Eine konkrete Bauzeit gibt es derzeit nicht (Stand: März 2026). Die Bundesplanung nennt als grobe Orientierungswerte:
Das zeigt: Infrastrukturprojekte dieser Größenordnung sind langfristige Vorhaben. Ein Baubeginn liegt – selbst bei zügigem Verlauf – noch Jahre in der Zukunft.
Zu dem Thema hat sich eine überparteiliche Bürgerinitiative gegründet: Heimat 2035. Die Bürgerinitiative hat dem murnauer.blog auf Nachfrage ein die folgenden Fragen beantwortet.
Vielen Dank!
Die Bürgerinitiative „Heimat 2035″ ist ein loser Zusammenschluss von Leuten, die die Lebensqualität im Blauen Land erhalten und den Neubau der B2 verhindern möchten. Wir treffen uns regelmäßig. Das Spektrum reicht von direkten Anliegern der geplanten Trassen bis hin zu Menschen, die den Neubau von Straßen aus verkehrspolitischen Überlegungen grundsätzlich in Frage stellen. Alle wollen zusätzlichen Verkehr verhindern. Unsere Argumentation ist faktenbasiert und konstruktiv.
Es begann mit einer Infoveranstaltung in der Westtorhalle und einem Spaziergang entlang der projektierten Trasse im Kemmelpark Ende Oktober 2025. Dann gab es ein erstes Treffen, die Bürgerinitiative wurde gegründet und Gruppen zu verschiedenen Themen gebildet. Es entstanden eine Webseite, ein Instagram-Kanal, mittlerweile zwei Flyer, verschiedene Plakate und Banner. Zur Zeit machen wir auch Infostände in der Fußgängerzone.
Das Problem fängt schon bei der Benennung der neuen Straße an. Es wird von der „Umgehung“ und einer „Entlastungsstraße“ gesprochen. Beides ist irreführend: Umgangen werden lediglich die Weilheimer Straße und die Reschstraße. Auch eine spürbare Entlastung der Anwohner*innen durch den Neubau ist äußerst fraglich, da die Reschstraße die wichtigste Ost-West-Tangente in Murnau bleiben wird und der überwiegende Teil des Verkehrs innerörtlicher ist. Alle Modellrechungen für eine weitere Verkehrsberuhigung des Ortskerns prognostizieren zudem zusätzlichen Verkehr auf der Reschstraße. Der eigentliche Ortskern ist durch die Füßgängerzone schon teilweise entlastet.
Da insbesondere der Lärm als störend empfunden wird, sollte man hier ansetzen und Wegen zur Lärmreduzierung suchen. Der Schwerlastdurchgangsverkehr kann weiträumig über die B472 und die A95 umgeleitet werden. Im Ort ist das Mittel der Wahl Tempo 30 und der Ersatz von Ampeln durch Kreisverkehre. Beides fördert einen gleichmäßigeren Verkehrsfluss. Tempo 30 statt Tempo 50 reduziert den Lärm in einer Größenordnung, die einer Halbierung der Fahrzeugzahlen entspricht. Alle diese Maßnahmen wären deutlich schneller und kostengünstiger umsetzbar als der Neubau und würden zudem einer weiteren Verkehrszunahme entgegenwirken.
Interessant ist übrigens, dass die Befürworter eines Neubaus auf eine vermeintliche Lösung hoffen, die frühestens in zehn Jahren wirken würde. Vorschläge fürMaßnahmen, die schon kurzfristig greifen könnten, gibt es von dieser Seite bisher keine.
Mitmachen kann jeder, die/der unsere Ziele teilt. Für uns ist nicht wichtig, wie lange jemand in Murnau lebt. Mitmachen sollte jeder, der/dem das Murnauer Moos am Herzen liegt.
Die Möglichkeiten sich einzubringen sind vielfältig: Mit Öffentlichkeitsarbeit unterstützen, Spenden sammeln, rechtliche Mitarbeite u.v.m.. Die Spendengelder verwenden wir für die Webseite und den Druck der Infomaterialien. Aktuell versuchen wir vor allem den Neubau B2 überhaupt bekannt zu machen.
Weiterführende Links:
Als Einwohner von Murnau am Staffelsee schreibe ich hier über meine Erlebnisse, Erfahrungen und Geschichten im Blauen Land.