Waldbaden – Was ist das denn?

Waldbaden - Nina Ruhland

Vor ein paar Wochen konnte ich an der „Kleinen Waldauszeit“ mit Nina Ruhland von bergbegegnungen.de teilnehmen. Nina bietet geführtes Waldbaden im Blauen Land an. Die 2,5 Stunden Waldbaden waren so beeindruckend, dass ich Nina gefragt habe, ob sie ein paar Fragen für den murnauer.blog beantworten will.

Waldbaden – Da klingt ja so, als wenn du dich mit der Badehose oder Badeanzug auf den Waldboden legst.

So ist das aber nicht, oder? Was hat es mit Waldbaden auf sich?

Tatsächlich warte ich noch auf den Tag, an dem Gäste in Badekleidung vor mir stehen. Aber Spaß beiseite: Die Übersetzung vom japanischen „Shinrin Yoku” heißt eben so viel wie „Im Wald baden”. Gemeint ist damit, dass wir achtsam und absichtslos, also eben nicht zum Joggen, Wandern, Pilze Sammeln oder Gassigehen mit dem Hund, im Wald unterwegs sind.

Beim Waldbaden wollen wir ganz im Hier und Jetzt sein. Vom Gaspedal, auf dem so viele von uns im Alltag dauerhaft stehen, runter steigen und zur Ruhe kommen. Wir wollen unsere verstaubten Sinne wieder aktivieren, mit einfachen Körperübungen, die dem Qi Gong ähneln, unserer Atmung Gutes tun. Und all das eben im Wald, diesem wunderbaren Lebensraum, in dem wir seit Jahrtausenden Schutz finden.

Das Mikroklima Wald hat unzählige positive Auswirkungen auf unseren Körper und Geist, etwa auf das Herz-Kreislauf-System. Zudem gibts wohl weniges, was Stress so schnell abbaut wie ein Besuch im Wald.

Nina, du bist zertifizierte Kursleiterin Waldbaden beim Bundesverband Waldbaden e. V.

Wie kann ich mir die Ausbildung vorstellen? Wie könnte ich zertifizierter „Waldbader“ werden?

Der Beruf ist nicht geschützt, das heißt, eigentlich könntest du Waldbaden auch ohne eine Ausbildung anbieten. Aber ich habe die Ausbildung als sehr wertvoll empfunden. Inhaltlich ging es um die Geschichte des Shinrin Yoku, wie du ein Waldbad sinnvoll aufbaust, Körper- und Achtsamkeitsübungen, aber auch um Aspekte wie Sicherheit im Wald, rechtlicher Rahmen und Naturschutz.

Für viele klingt „Waldbaden” ja noch immer nach durchgeknallter Esoterik. Da ist es gut, wenn du wissenschaftlich fundierte Argumenten kennst und nennen kann. Mittlerweile gibt es zahlreiche Anbieter, die eine Ausbildung im Bereich Waldbaden anbieten.

Ihr bietet neben der „Kleinen Waldauszeit“ auch das „Gute Nacht Waldbad“ und das „Wald & Berg-Waldbad“ an.

Wodurch unterscheiden sich die Angebote?

Die Angebote unterscheiden sich in der Länge aber auch inhaltlich im Fokus, den wir legen.

Die „Kleine Waldauszeit” ist perfekt geeignet, um Waldbaden erst mal kennenzulernen. Das „Gute Nacht-Waldbad“ stellt den Nutzen des Waldbadens für gesunden, erholsamen Schlaf in den Fokus. Waldbaden kann nämlich wunderbar bei Ein- und Durchschlafstörungen wirken. Daher findet es auch am frühen Abend statt. „Wald & Berg” ist unser alpines Waldbad, das die positiven Wirkungen von den beiden Naturräumen vereint. Als VDBS-Bergwanderführerin und International Mountain Leader bin ich dabei den ganzen Tag mit den Gästen in den Bergen und im Wald unterwegs.

Gibt es ein Abo oder eine 10er-Karte?

Tatsächlich sind wir gerade dabei, ein Angebot für „Wiederholungstäter” auszutüfteln, die Waldbaden gerne regelmäßig in ihren Alltag integrieren wollen. Nach Waldbaden kannst du nämlich schnell süchtig werden.

Wie viel Zeit verbringst du täglich mit Waldbaden? Und wie viel Zeit würdest du am liebsten damit verbringen?

Das ist ganz unterschiedlich. Wenn ich mit Gästen in den Bergen unterwegs bin, geschieht das Waldbad oft „nebenbei”, wenn wir gerade durch einen duftenden Bergwald gehen. Leider gibts auch Bürotage ganz ohne Wald (aber immerhin mit Blick drauf), aber ich versuche schon, mindestens jeden zweiten Tag in die Wälder einzutauchen. Einfach, weil es mir selbst so guttut.

Die Angebote laufen über bergbegenungen.de, eine Agentur für nachhaltige Bergerlebnisse. Neben dir sind da noch zwei weitere Bergwanderführerin mit dabei.

Wie kam es zur Entstehung von bergbegenungen.de? Welche Anekdote(n) gibt es zur Entstehung?

Ich habe früher als Bergwanderführerin für verschiedene Bergschulen Touren geführt. Vor zwei Jahren kam mir dann die Idee, dass ich die Touren „grüner”, also nachhaltiger für Gäste, aber auch für die Natur, in der wir unterwegs sind, gestalten möchte.

Höher, schneller, weiter, – das war einfach nicht mehr meins. Also habe ich „Bergbegegnungen” gegründet. Ich möchte, dass unsere Gäste die Natur wirklich mit allen Sinnen erleben, dass sie jenen, die dort leben, – ganz gleich ob Pflanze, Tier oder Mensch – achtsam und mit Respekt begegnen und die Berge und Wälder so lieben lernen, dass sie diesen wertvollen Lebensraum schützen wollen.

Und so tüftle ich mit meinem kleinen Team immer wieder neue grüne Touren aus. Aber wir sind erst ganz am Anfang einer spannenden Entwicklung …

Vielen Dank für das Interview, Nina. Ich freue mich schon auf das nächste Waldbad – geführt oder alleine.

Weiterführende Links:

Das Beitragsfoto für diesen Artikel wurden uns freundlicherweise vom bergbegegnungen.de zur Verfügung gestellt.

Pete Rößler

Als Einwohner von Murnau am Staffelsee schreibe ich hier über meine Erlebnisse, Erfahrungen und Geschichten als Bewohner des Blauen Landes.

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