Was muss ich in Murnau gesehen haben? Diese Frage bekomme ich von Besuch aus München, Hamburg oder Wien regelmäßig gestellt. Meine ehrliche Antwort: mehr, als in einen Tag passt. Zwischen bunten Fassaden am Obermarkt, Kunstgeschichte vom Blauen Reiter, dem größten Moor Mitteleuropas und dem Staffelsee liegen oft nur ein paar Hundert Meter. Hier sind meine 15 Lieblingsorte – vom Marktplatz bis ans Seeufer.
Im Ortskern: Kunst, Kirchen und bunte Fassaden
1. Obermarkt mit Mariensäule
Am besten startest du dort, wo Murnau am lebendigsten ist: in der Fußgängerzone am Obermarkt. Ober- und Untermarkt stehen als Ensemble unter Denkmalschutz, und das siehst du an jeder Hausfront. Die Fassaden leuchten in Gelb, Rosa, Grün und Blau. Viele davon gehen auf den Münchner Architekten Emanuel von Seidl zurück, der Anfang des 20. Jahrhunderts das Ortsbild neu gestaltet hat – achte etwa auf die Fassade der Metzgerei Haller.
In der Mitte steht die Mariensäule. Stell dich beim Hotel Post auf und schau Richtung Süden: Hinter der Madonna erhebt sich das Estergebirge mit der Hohen Kisten. Einer der besten Fotospots im Ort. Mittwochs findest du hier ab 7 Uhr den Wochenmarkt, und für den Kaffee danach gibt es rund um den Ober- und Untermarkt reichlich Auswahl.

2. Maria-Hilf-Kirche und Rottbrunnen
Auf Höhe der Postgasse geht der Obermarkt in den Untermarkt. Hier fällt dir zuerst das kleine Türmchen mit Zwiebelhaube auf: Es gehört zur Maria-Hilf-Kirche. Gebaut wurde sie Mitte des 17. Jahrhunderts, nach dem großen Marktbrand von 1774 musste sie neu errichtet werden. Ein Blick hinein lohnt sich auch außerhalb der Weihnachtszeit, denn hier steht eine Krippe, die das ganze Jahr über gezeigt wird.
Ein paar Schritte „bergauf“ noch im Obermarkt erzählt der Rottbrunnen von der Zeit, als Murnau eine Rottstation auf dem Handelsweg zwischen Augsburg und Venedig war. Fuhrleute luden hier ihre Fracht um, die Zugtiere tranken an den Brunnen. Das Fassadenbild über dem Café Florentina weiter unten am Untermarkt erinnert ebenfalls an diese Epoche. In der Nähe, im Untermarkt 13, sitzt übrigens die Tourist-Information.
3. Schloßmuseum Murnau
Vom Rathaus führt die Schloßbergstraße hinauf zum Schloss, dessen Vorgängerburg schon 1324 urkundlich erwähnt wird. Seit 1993 ist hier das Schloßmuseum zu Hause – und ja, das ß im Namen ist Absicht und kein Tippfehler. Den Schwerpunkt bilden Werke von Gabriele Münter, Wassily Kandinsky und anderen Künstlern des Blauen Reiters, viele davon mit Motiven aus Murnau und dem Blauen Land. Dazu kommen Hinterglasbilder und ein eigener Raum zu Ödön von Horváth.
Kleiner Tipp: Im Treppenhaus gibt es ein Fenster, durch das du bis zum Münter-Haus schauen kannst. Den Audioguide rufst du einfach im Browser auf deinem Handy auf. Und wenn du danach Hunger hast, sitzt du im Schlossgarten mit Blick über die Dächer.

4. Pfarrkirche St. Nikolaus
Den Turm von St. Nikolaus siehst du aus fast jeder Richtung, er ist rund 50 Meter hoch. Der Grundstein der heutigen Kirche wurde 1717 gelegt, geweiht wurde sie 1734. Innen überrascht dich ein ungewöhnlicher Grundriss: Statt eines langen Kirchenschiffs stehst du in einem achteckigen Zentralraum unter einer flachen Kuppel in etwa 25 Metern Höhe. Das große Fresko zeigt das Jüngste Gericht.
Draußen auf dem Friedhof liegt das Grab von Gabriele Münter. Geh in eine der oberen Reihen und dreh dich Richtung Westen um – dann siehst du ihr Haus. Diesen Moment habe ich in meinen Spaziergängen durch Murnau schon genauer beschrieben.
5. Münter-Haus
Gabriele Münter kam 1908 mit Wassily Kandinsky nach Murnau und kaufte 1909 das Haus in der Kottmüllerallee 6. Die Murnauer nannten es bald „Russenhaus“, nach den Gästen aus Kandinskys Umfeld. Münter und Kandinsky bemalten Möbel, Treppe und Wände im Stil der bayerischen Volkskunst, und genau so kannst du das Haus heute als Museum besichtigen.
Münter wohnte hier bis zu ihrem Tod 1962. In der NS-Zeit versteckte sie zahlreiche Werke des Blauen Reiters, die sie später dem Lenbachhaus in München schenkte. Mehr dazu liest du in meinem Artikel über Gabriele Münter und das Münter-Haus. Plane für den Besuch rund eine Stunde ein und prüf vorher die Öffnungszeiten auf der Seite der Stiftung.
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6. Kulturpark mit Horváth-Hut
Zwischen Kultur- und Tagungszentrum und Burggraben liegt einer der unterschätztesten Orte in Murnau. Im Kulturpark setzt du dich auf eine Bank und hast das Wettersteinmassiv mit der Zugspitze und das Ettaler Manndl vor dir. Mittendrin steht der Horváth-Hut, ein Kunstwerk zu Ehren des Schriftstellers Ödön von Horváth (1901–1938). Zwischen den Weltkriegen verbrachte er viel Zeit in Murnau, und der Ort taucht auch in seinen Romanen auf.

Am Rand des Moos: Allee, Ähndl und ein Lindwurm
7. Kottmüller-Allee
Vom Münter-Haus aus beginnt eine der schönsten Murnauer Sehenswürdigkeiten, die gar kein Gebäude ist. Die Kottmüller-Allee führt gut einen halben Kilometer lang unter rund 140 Stiel-Eichen hindurch. Gepflanzt hat sie der Brauer und Hobby-Sänger Emeran Kottmüller zwischen 1870 und 1880. Wenn du genau hinschaust, entdeckst du an den Stämmen Nummern.
Am Ende wartet eine kleine Schutzhütte, und dort öffnet sich der Blick: unter dir das Murnauer Moos und das Ähndl, dahinter die Berge von den Walchenseebergen bis zu den Ammergauer Alpen. Im Herbst, wenn die Eichen sich verfärben, ist die Allee am schönsten.
8. Das Ähndl (Ramsachkircherl) und der Asam-Punkt
Das kleine Kircherl am Moosrand heißt offiziell St. Georg, doch alle sagen nur „Ähndl“. Der Name bedeutet so viel wie Ahnin: Das Kircherl gilt als die Urmutter aller Kirchen der Gegend. Urkundlich erwähnt wird es 1332, seine heutige Barockform bekam es um 1740. Ein besonderer Schatz ist die handgeschmiedete Eisenglocke, die zu den ältesten erhaltenen Kirchenglocken Europas gezählt wird.
Direkt nebenan liegt das Gasthaus Ähndl mit Biergarten. Und ein Stück hinter der Kirche findest du den Asam-Punkt: Schau durch das Rohr, das eine geschmiedete Hand hält, und du siehst drei Kirchtürme (Ähndl, Weichs, Ohlstadt) und das Gipfelkreuz am Rauheck auf einer Linie. Ich habe eineinhalb Jahre gebraucht, bis ich ihn gefunden habe – mit diesem Tipp geht es schneller.
9. Drachenstich-Schlucht
Vom Ähndl führt der Drachenstich-Rundweg weiter durch eine kleine, schattige Schlucht mit Wasserfall Richtung Staffelsee. Der Name verweist auf die Sage vom Murnauer Lindwurm, der bis heute im Wappen des Marktes sitzt. Wichtig für Besserwisser-Punkte beim nächsten Stammtisch: Ein Lindwurm hat zwei Beine, ein Drache vier.
Die ganze Runde ab dem Kultur- und Tagungszentrum ist etwa 6 Kilometer lang und gut als „Das Blaue Land“-Weg ausgeschildert. Wie du sie mit Museum, Mittagessen und Seeblick zu einem ganzen Tag verbindest, steht in 12 Stunden in Murnau.
Am Wasser: Staffelsee und Moosseen
10. Murnauer Bucht
Überraschend, aber wahr: Vom Staffelsee gehören nur rund 200 Meter Ufer zu Murnau, der Großteil des Sees liegt auf Seehauser Gemeindegebiet. Diese 200 Meter haben es aber in sich. In der Murnauer Bucht, bei Einheimischen auch „Schweinebucht“ genannt, sitzt du am Kiosk Bucht 27 mit einem Getränk und schaust über den See auf die Inseln.
Abends geht hier die Sonne über dem Wasser unter, und die Silhouetten der Bäume spiegeln sich im See. Zum Baden gibt es direkt nebenan das Laguna auf dem Gelände des früheren Strandbads.
11. Staffelsee-Schifffahrt und Insel Wörth
Sieben Inseln liegen im Staffelsee, die größte davon ist Wörth, auf der früher ein Kloster stand. Am besten erlebst du den See vom Wasser aus: In der Saison fährt die MS Seehausen über den See, Anlegestellen gibt es unter anderem in Murnau, Seehausen und Uffing. Besonders stimmungsvoll sind die letzte Fahrt des Tages und die Mondscheinfahrten.
Mit der Gästekarte Blaues Land bekommst du eine Ermäßigung. Fahrplan und Preise ändern sich jedes Jahr, schau deshalb vorher beim Betreiber nach. Wenn du lieber selbst paddelst: Stand-Up-Paddling auf dem Staffelsee gehört zu meinen Lieblingsaktivitäten im Blauen Land.

12. Murnauer Moos mit Bohlensteg
Südlich von Murnau breitet sich auf rund 32 Quadratkilometern das Murnauer Moos aus. Es gilt als das größte zusammenhängende, naturnah erhaltene Moorgebiet Mitteleuropas. Mittendrin ragen bewaldete Hügel auf, die Köchel, die einst Inseln in einem See waren.
Der Rundweg durch das Murnauer Moos ist etwa 12,5 Kilometer lang und führt über den Bohlensteg am Langen Filz. Mein Lieblingsplatz ist der kleine Aussichtsstadl bei Berggeist. Früh morgens im Frühling oder Herbst, wenn der Nebel über den Wiesen liegt, ist das Moos am schönsten. Bitte bleib auf den Wegen, denn große Teile stehen unter Naturschutz.
13. Moosbergsee
Keine Zeit für den großen Rundweg? Dann fahr zum Moosberg-Parkplatz an der B2 und geh etwa einen Kilometer auf ebenem Weg zum Neuen Moosbergsee. Der See ist ein ehemaliges Abbaugebiet eines Hartsteinwerks, das sich mit Regenwasser gefüllt hat. Wo heute Wasser ist, stand bis ins 20. Jahrhundert ein Hügel mit Resten einer spätrömischen Siedlung.
Kurz vor Sonnenuntergang, wenn das Licht das Moos golden färbt, lohnt sich der Abstecher am meisten. Wer weiterlaufen mag, hängt eine Runde bis zur Loisach dran. Einen ähnlich stillen Ort findest du am Langen Köchel am Westrand des Moos.
Etwas abseits: Park und Kapelle mit Weitblick
14. Seidl-Park, das „Gelobte Land“
Im Südosten von Murnau hat Emanuel von Seidl (1856–1919) um sein 1901 erbautes Landhaus einen Park im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt. Er selbst nannte ihn „Gelobtes Land“. Die Villa wurde 1972 abgerissen, der Seidl-Park ist geblieben und frei zugänglich.
Auf einem Rundgang von etwa einer Stunde kommst du zum Freundschaftshügel, zu den Seerosenteichen mit dem Gloriettl und zu einer Shakespeare-Büste. Sie erinnert an die Aufführung des „Sommernachtstraums“ im Park im Jahr 1910. Um den Erhalt kümmert sich heute der Förderkreis Murnauer Parklandschaft.
15. Mesnerhauskapelle Aidling am Riegsee
Zum Schluss ein Ort, für den du Murnau kurz verlässt. Die Mesnerhauskapelle steht auf einer Anhöhe an der Nordspitze des Riegsees. Vom Parkplatz in Aidling bist du in 15 bis 20 Minuten oben und hast dann alles vor dir: den Riegsee, die Dörfer am Ufer und dahinter die Bergkette vom Estergebirge bis zu den Ammergauer Alpen.
Kombinieren kannst du den Abstecher mit einer Runde um den Riegsee (zwei bis drei Stunden). Beachte: Im Norden des Sees gilt vom 1. März bis 31. August ein Betretungsverbot, und die schwimmenden Inseln im Schilf solltest du nie betreten.

Wie viel Zeit brauche ich für Murnau?
Für die Sehenswürdigkeiten im Ortskern (Nummer 1 bis 7) reicht ein entspannter Tag. Mit Moos, See und Riegsee kommst du gut auf ein Wochenende. Am Wochenende und bei schönem Wetter ist es auf den Wegen im Moos und an der Bucht voll, unter der Woche oder bei leicht bewölktem Himmel hast du mehr Ruhe.
Anreise und Parken: Mit der Werdenfelsbahn bist du in rund zehn Minuten zu Fuß vom Bahnhof am Obermarkt. Mit dem Auto findest du am Festplatz einen kostenlosen Parkplatz. Zu weiter entfernten Zielen bringt dich der Blaue Land Bus auf Abruf.
Mehr zum Lesen: Wer lieber blättert als scrollt, findet in 111 Orte im Blauen Land noch mehr Ideen.
FAQ: Häufige Fragen zu Murnaus Sehenswürdigkeiten
Was ist die bekannteste Sehenswürdigkeit in Murnau?
Das Münter-Haus und das Schloßmuseum sind am bekanntesten, weil sie mit dem Blauen Reiter verbunden sind. Viele Besucher kommen aber auch wegen des Murnauer Moos.
Welche Sehenswürdigkeiten gibt es in Murnau bei Regen?
Schloßmuseum, Münter-Haus und die Kirchen St. Nikolaus und Maria Hilf. Danach wärmst du dich in einem der Cafés am Obermarkt auf.
Was kann man in Murnau kostenlos anschauen?
Obermarkt, Kirchen, Kulturpark, Kottmüller-Allee, Ähndl mit Asam-Punkt, Seidl-Park, Murnauer Moos und Murnauer Bucht sind frei zugänglich.
Sind die Sehenswürdigkeiten mit Kindern geeignet?
Ja. Kinder haben besonders am Bohlensteg im Moos, an der Murnauer Bucht und beim Spiel mit dem Rohr am Asam-Punkt ihren Spaß.
Welche Sehenswürdigkeit fehlt dir in der Liste? Schreib mir gerne – dieser Beitrag wird regelmäßig ergänzt.
Weiterführende Links:
- Tourist-Information Murnau
- Schloßmuseum Murnau
- Münter-Haus (Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung)
- Förderkreis Murnauer Parklandschaft
- Asam-Punkt

Als Einwohner von Murnau am Staffelsee schreibe ich hier über meine Erlebnisse, Erfahrungen und Geschichten im Blauen Land.




